Aquarell über farbiger Wachskreide, signiert, datiert und betitelt195056,0 x 69,3 cmVoll ausgeführtes, schönes Aquarell aus der späten Schaffenszeit des Künstlers, blattfüllend auf schwerem Büttenpapier ausgeführt. Bereits 1921 und 1928 hatte Erich Heckel bei seinen vielen Reisen auch den Bodensee kennen gelernt. Nach der Beschlagnahme und Entfernung von 729 seiner Arbeiten aus deutschem Museumsbesitz durch die nationalsozialistische Kulturbarbarei sowie die kriegsbedingte vollständige Zerstörung seines Berliner Ateliers im Januar 1944 ließ sich Heckel im Mai des gleichen Jahres in Hemmenhofen am Bodensee nieder. „Der Maler blieb fortan am Bodensee. Sein Haus liegt ein wenig oberhalb des Ortes Hemmenhofen am Hang, so daß sich dert Blick vom Fenster oder vom Garten aus ungehindert über die Fläche des Untersees und die ihn begleitenden Höhenzüge bis in die Schweiz hinein erstrecken kann, der gleiche Blickwinkel (…) also, den wir bereits vor langen Jahren als den von Heckel bevorzugten kennenlernen konnten.“ (Paul Vogt, Erich Heckel, Recklinghausen 1965, S. 89) Vorliegende großformatige Arbeit steht im motivischen Zusammenhang mit den beiden Ölgemälden Am Untersee von 1945 (Vogt 19450–3) und Am See (Vogt 1950-4) aus dem Entstehungsjahr unseres Aquarells. Im Vergleich zu beiden Temperaarbeiten ist das vorliegende Aquarell topographisch eindeutiger determiniert: Der Blick schweift von einer mit Bäumen und Buschwerk detailliert ausgearbeiteten Uferszenerie über den sommerlichen Untersee nach Osten auf die Schweizer Gemeinde Berlingen, die nach Süden von Schloß Eugensberg dominiert wird. Links deutlich erkennbar die Insel Reichenau, während der mittige Blick auf das fernere Konstanz sich im silbrig-rötlichen Dunst des Hintergrunds verliert, dem „Sommerdunst“, wie ihn Heckel oft bezeichnete.Der Künstler legt bei seinen am Bodensee entstandenen Gemälden und Aquarellen sehr viel nachdrücklicher als früher den Fokus auf die Herstellung einer Bildordnung, auf die farbliche Harmonie und den Rhythmus der Form: „Man wird immer wieder feststellen, wie treffend genau jetzt in den Bildern die besondere Farbigkeit einer bestimmten Landschaft, ihre atmosphärischen Besonderheiten und vor allem das ihr innewohnende Licht eingefangen sind. Gerade das Spätwerk hat hierin die Ansätze der vorangegangenen Jahre zur Vollendung geführt. Heckels Empfindungsfähigkeit und sein Gedächtnis für die feinsten Abstufungen, sein Wahrnehmungsvermögen für das Spezifische einer Form sind bewundernswert, die Sinne scheinen im Alter an Empfindlichkeit noch gewonnen zu haben.“ (Vogt, S. 93) Einige Knitter und Papierstauchungen im rechten Bildrand, vier kleinere Einrisse rechts fachmännisch geschlossen, insgesamt jedoch von schönem Gesamteindruck.Für die Entstehungszeit exemplarische Arbeit des Künstlers. Provenienz: Aus dem Nachlaß des Künstlers, verso mit dessen Registriernummer 4238 B